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CBDA – eine Säure mit therapeutischem Potenzial

Aktualisiert: 22. Apr. 2023

Cannabidiol (CBD) besitzt ein breitgefächertes therapeutisches Potenzial, das immer mehr erforscht wird. Interessant ist, dass die Vorstufe des Cannabinoids, die Cannabidiolsäure (CBDA), ebenso wirksam zu sein scheint.

CBDA – eine Säure mit therapeutischem Potenzial

Cannabinoide wie Cannabidiol (CBD) oder Tetrahydrocannabinol (THC) liegen nicht direkt In der Hanfpflanze vor, sondern vielmehr ihre „saure Formen“ (Acids). Erst durch einen chemischen Prozess, beispielsweise durch das Erhitzen, wandeln sich die Säuren in ihre „aktive“ Form um. So wird beispielsweise aus der Cannabidiolsäure (CBDA) das Cannabidiol (CBD) und aus der Tetrahydrocannabinolsäure (THCA) das Tetrahydrocannabinol (THC).


Weder CBDA und CBD noch THCA und THC haben die gleichen Wirkungen. Würde man beispielsweise rohen Cannabis essen, hätte dies keine berauschenden Effekte. Die Forschung konzentriert sich hauptsächlich auf die Cannabinoide. Bislang gibt es nur wenige Studien, in denen die Wirkung von Cannabinoidsäuren untersucht wurde. Problematisch ist vor allem, dass Cannabinoidsäuren instabil sind, was es schwer macht, diese in eine „brauchbare“ Anwendungsform zu bringen. Deshalb werden Studien mit einer synthetischen Variante von CBDA (EPM301) durchgeführt.


Die Ergebnisse bisheriger Tierstudien zu CBDA sind äußerst vielversprechend, weshalb wir im Folgenden einige davon vorstellen möchten.


Studien zur Wirkung von CBDA


Adipositas: Um CBDA zu stabilisieren, synthetisierten Forscher das Derivat CBDA-O-Methylester (EPM301). Bei adipösen Mäusen führte die Gabe von EPM301 erfolgreich zu Gewichtsabnahme, erhöhter Gehfähigkeit sowie verbesserten glykämischen Lipidprofilen. Zudem reduzierte EPM301 das Körpergewicht und die Hyperphagie (Essstörung, die mit einer übermäßigen Nahrungsaufnahme einhergeht) in einem mit fettreicher Diät gefütterten Mausmodell wirksam.


Rett-Syndrom: Das Rett-Syndrom (RTT) ist eine seltene neurologische Störung, die durch schwere verhaltensbezogene und physiologische Symptome gekennzeichnet ist. RTT wird in etwa 95 Prozent der Fälle durch Mutationen im MECP2-Gen verursacht, und bis heute gibt es keine Heilung. Eine systemische Behandlung mit einer niedrigen CBDA-Dosis zeigte bei Mäusen mit RTT eine antinozizeptive Wirkungen und eine reduzierte thermische Hyperalgesie (erhöhte Schmerzempfindlichkeit).


Epilepsie: Mit CBDA angereicherte Hanfextrakte zeigten bei Ratten eine antikonvulsive Wirkung, die mit CBD vergleichbar war.


Alzheimer: Am Mausmodell zeigten Forscher, dass CBDA und Tetrahydrocannabinolsäure (THCA) bei der Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen von Nutzen sein könnten, da sie die Blut-Hirn-Schranke durchdringen und das zentrale Nervensystem beeinflussen.


Übelkeit und Erbrechen: In einer Meta-Analyse zeigt sich, dass sich CBD bei der Verringerung von Übelkeit und Erbrechen als wirksam erwies, wobei CBDA und CBDA-ME noch wirksamer sind. Die Daten deuten darauf hin, dass diese Verbindungen in klinischen Studien auf ihre Fähigkeit zur Verringerung von Übelkeit und/oder Erbrechen untersucht werden sollten.


Depressionen: Das Endocannabinoid-System wurde in klinischen und präklinischen Studien mit Depressionen in Verbindung gebracht. Cannabidiol-Säure-Methylester (CBDA-ME, EPM-301) zeigte bei männlichen Ratten eine antidepressive Wirkung.


Angststörung: An Mäusen stellten Forscher fest, dass CBD und CBDA unterschiedliche Wirkungen hatten. Während CBD, aber nicht CBDA, die Ausprägung des kognitiven Furchtgedächtnisses störte, normalisierte CBDA, das durch ein Trauma ausgelöste generalisierte angstbezogene Verhalten.



Quellen

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Autorin: Alexandra Latour

Aufgrund der über zehnjährigen freiberuflichen Autorinnentätigkeit für renommierte Gesundheitsportale und Online-Magazine übernahm Alexandra Latour Anfang 2017 die stellvertr. Redaktionsleitung von Leafly Deutschland. Auch nach der Schließung der deutschen Niederlassung von Leafly war sie weiterhin als Medizinredakteurin und Beraterin in der Cannabis- und CBD-Branche tätig und konnte sich hier eine umfangreiche Expertise aneignen.







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