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CBD gegen Darmerkrankungen

Erstellt am: 04.06.2022                     Aktualisiert am: 05.01.2023                    Autor: Alexandra Latour

Cannabidiol (CBD) werden entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben. Deshalb ist die Forschung daran interessiert, die Wirkung des Cannabinoids auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zu untersuchen. Wir sehen uns also zunächst die aktuelle Studienlage an und gehen dann darauf ein, ob frei käufliche CBD-Produkte eine unterstützende Hilfe sein können.

CBD gegen Darmerkrankungen

Als Teil unseres Nervensystems ist das Endocannabinoid-System (ECS) an der Regulierung unterschiedlicher biologischer Prozesse beteiligt, wie beispielsweise dem Schmerzempfinden, den Emotionen oder dem Entzündungsgeschehen.

 

Zum Endocannabinoid-System gehören die Cannabinoid-Rezeptoren 1 (CB1) und 2 (CB2), die sich nahezu im gesamten Körper befinden. Im Magen-Darm-Trakt konnten bereits CB1-Rezeptoren nachgewiesen werden. Hingegen befinden sich die CB2-Rezeptoren vorwiegend auf den Zellen des Immunsystems [1].

 

Auch die Endocannabinoide gehören zum ECS. Es handelt sich um Cannabinoide, die unser Körper selbst bei Bedarf bildet und genau wie die Cannabinoide aus der Hanfpflanze an die Cannabinoid-Rezeptoren binden. Die bekanntesten Endocannabinoide sind 2-Arachydonylglycerin (2-AG) und Arachidonylethanolamid (Anandamid), die auch im Darm „aktiv“ sind.

 

In Studien konnte gezeigt werden, dass das Endocannabinoid-System an der Steuerung von unterschiedlichen Vorgängen im Magen-Darm-Trakt beteiligt ist, wie zum Beispiel an der Leerung des Magens, der Bewegung der Speiseröhre, an der Entstehung von Übelkeit und Erbrechen sowie an der Aufrechterhaltung der Darmoberfläche [2].

 

Gerät das ECS aus dem Gleichgewicht, könnte das verschiedene Störungen und Beschwerden verursachen. Forscher gehen deshalb davon aus, dass die Cannabinoide aus der Hanfpflanze bei der Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen nützlich sein könnten. Dementsprechend ist durchaus denkbar, dass Cannabinoide beim Reizdarm die gestörte Darmaktivität regulieren sowie die Entzündungen bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa vermindern könnten.

Beim Reizdarmsyndrom handelt es sich um eine funktionelle gastrointestinale Störung, die mit Veränderungen der Darmfunktion, Bauchschmerzen, Durchfall und/oder Verstopfung sowie weiteren Symptomen einhergeht. In einer Studie untersuchten Forscher das Blut von Patienten und bestimmten den Plasmaspiegel der Endocannabinoide 2-AG und Anandamid sowie der cannabinoidähnlichen Fettsäuren Palmitoylethanolamide (PEA) und Oleoylethanolamide (OEA). Anschließend verglichen sie die Werte mit denen von gesunden Menschen.

 

Im Ergebnis heißt es, dass Patienten, die unter Durchfall litten, eine höhere Konzentration von 2-AG und niedrigere Konzentration von OEA und PEA aufwiesen. Patienten mit Verstopfung hatten hingegen einen höheren OEA-Spiegel [3].

 

Ein niedriger PEA-Spiegel könnte den Forschern zufolge mit krampfartigen Bauchschmerzen verbunden sein. In einer weiteren Studie stellten die Forscher fest, dass cannabinoidähnliche Fettsäure PEA bei der Schmerzbehandlung des Reizdarms nützlich sein könnte [4].

 

Da die Cannabinoide aus der Hanfpflanze wie Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) ähnlich wirken wie die Endocannabinoide und das ECS modulieren, könnte Forschungen zufolge die Gabe von Cannabinoiden bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms vielversprechend sein. Allerdings existieren bisher noch keine aussagekräftigen Studien, in denen die Wirksamkeit von CBD beim Reizdarm untersucht wurde. Untersuchungen mit Dronabinol (reines THC) zeigten widersprüchliche Ergebnisse [5].

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Es gibt verschiedene Studien, in denen die Wirkung von medizinischem Cannabis, also THC-reichen Sorten in pharmazeutischer Qualität, und synthetischen Cannabinoiden auf die Symptome der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn untersucht wurde. Allerdings sind diese teils widersprüchlich und zeigen keine eindeutigen Belege für eine Wirksamkeit [6].

 

Studien, in denen reines Cannabidiol (CBD) zum Einsatz kam, gibt es kaum. In einer Untersuchung erhielten 30 Patienten acht Wochen lang ein Cannabisöl mit 160 mg/ml CBD und 40 mg/ml THC [7]. Eine weitere Gruppe mit 26 Patienten bekam nur ein Placebo (Scheinmedikament). Der Zustand der Patienten, die das CBD-reiche Cannabisöl einnahmen, verbesserte sich signifikant. Allerdings blieben die Entzündungswerte unverändert.

 

An einer weiteren achtwöchigen Studie nahmen 20 Patienten mit Morbus Crohn teil, die ebenfalls in zwei Gruppen eingeteilt wurden [8]. Während die eine Gruppe ein Placebo erhielt, nahm die andere Gruppe zweimal täglich 10 Milligramm CBD oral ein. Dies hatte jedoch keine positiven Auswirkungen. Die Forscher führten hierzu aus, dass dies entweder auf die fehlende Wirkung von CBD auf Morbus Crohn oder den Synergismus mit anderen Cannabinoiden zurückzuführen sei, auf die zu geringe Dosis oder die geringe Anzahl von Patienten.

 

Interessant ist, dass Forscher bei Mäusen eine Colitis ulcerosa auslösten, mit CBD behandelten und erklärten, dass CBD in Kombination mit weiteren Cannabinoiden zur Behandlung der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung nützlich sein könnte [9].

 

Wiederum andere Forscher untersuchten die entzündungshemmende Wirkung von CBD an Darmproben von Patienten mit Colitis ulcerosa [10]. Diese enthielten enterische Gliazellen, die im Darm für die akute und chronische Entzündung mitverantwortlich sind und entzündungsfördernde Zytokine freisetzen. Hier zeigte sich, dass CBD wirksam gegen die Entzündungen war und Darmschäden verringerte.

Leider gibt es keine eindeutigen Studienergebnisse zur Behandlung von chronischen Darmerkrankungen mit medizinischem Cannabidiol (CBD). Dennoch scheint dieses großes Potenzial zu besitzen, vor allem in Verbindung mit weiteren Cannabinoiden wie THC. Wir wissen von Patienten mit Morbus Crohn, die medizinisches Cannabis mit einem hohen CBD-Gehalt und einem niedrigen THC-Gehalt zusätzlich zur Standardtherapie von ihrem Arzt verordnet bekommen und hiervon profitieren können.

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Hinweis

In den oben ausgeführten Informationen berichten wir ausschließlich über verschreibungspflichtiges Medizinalcannabis mit all seinen Cannabinoiden oder verschreibungspflichtiges Cannabidiol (CBD). Die Studienergebnisse sind nicht auf frei käufliche CBD-Produkte wie CBD-Öle, CBD-Kapseln etc. übertragbar. Zudem machen wir zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschläge und geben auch keine Anwendungsempfehlungen oder Nutzversprechen.

Wenn wir von medizinischem Cannabis mit einem hohen CBD-Gehalt und einem niedrigen THC-Gehalt (der höher als 0,2 Prozent ist) sprechen, dann handelt es sich um Cannabisblüten in pharmazeutischer Qualität, die verschreibungspflichtig sind. CBD-Produkte wie CBD-Öle werden nicht aus diesen Cannabispflanzen gewonnen, sondern aus Nutzhanfpflanzen. Diese weisen einen geringeren CBD-Anteil als Cannabispflanzen und einen THC-Gehalt von weniger als 0,2 Prozent auf.

 

Darüber hinaus besitzen CBD-Produkte keine standardisierte und pharmazeutische Qualität. Je nach Ausgangsmaterial und Herstellungsverfahren können sich die Produkte erheblich in ihrer Zusammensetzung und Qualität unterscheiden. Deshalb sind die Studienergebnisse auch nicht eins zu eins auf CBD-Produkte übertragbar.

 

Grundsätzlich können frei käufliche CBD-Produkte positive Effekte entfalten. Das berichten auch verschiedene Patienten, die unter einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung oder einem Reizdarm leiden.

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Alexandra Latour, Autorin, Medizinredakteurin
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Aufgrund der über zehnjährigen freiberuflichen Autorinnentätigkeit für renommierte Gesundheitsportale und Online-Magazine übernahm Alexandra Latour Anfang 2017 die stellvertr. Redaktionsleitung von Leafly Deutschland. Auch nach der Schließung der deutschen Niederlassung von Leafly war sie weiterhin als Medizinredakteurin und Beraterin in der Cannabis- und CBD-Branche tätig und konnte sich hier eine umfangreiche Expertise aneignen.

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[1] Izzo AA, Camilleri M. Emerging role of cannabinoids in gastrointestinal and liver diseases: basic and clinical aspects. Gut. 2008 Aug;57(8):1140-55. doi: 10.1136/gut.2008.148791. Epub 2008 Apr 8. PMID: 18397936

 

[2] Camilleri M. Cannabinoids and gastrointestinal motility: Pharmacology, clinical effects, and potential therapeutics in humans. Neurogastroenterol Motil. 2018 Sep;30(9):e13370. doi: 10.1111/nmo.13370. Epub 2018 May 10. PMID: 29745439; PMCID: PMC6150799

 

[3] Fichna J, Wood JT, Papanastasiou M, Vadivel SK, Oprocha P, Sałaga M, Sobczak M, Mokrowiecka A, Cygankiewicz AI, Zakrzewski PK, Małecka-Panas E, Krajewska WM, Kościelniak P, Makriyannis A, Storr MA. Endocannabinoid and cannabinoid-like fatty acid amide levels correlate with pain-related symptoms in patients with IBS-D and IBS-C: a pilot study. PLoS One. 2013 Dec 27;8(12):e85073. doi: 10.1371/journal.pone.0085073. PMID: 24386448; PMCID: PMC3874007

 

[4] Barbara G., Cremon C., Bellacosa L., De Giorgio R., Santos J., Vicario M., et al. (2014). 714 randomized placebo-controlled multicenter study on the effect of palmitoyl-ethanolamide and polydatin on immune activation in patients with irritable bowel syndrome. Gastroenterology 146:S-124

 

[5] Brugnatelli V, Turco F, Freo U, Zanette G. Irritable Bowel Syndrome: Manipulating the Endocannabinoid System as First-Line Treatment. Front Neurosci. 2020 Apr 21;14:371. doi: 10.3389/fnins.2020.00371. PMID: 32372912; PMCID: PMC7186328

 

[6] Kafil TS, Nguyen TM, MacDonald JK, Chande N. Cannabis for the treatment of Crohn's disease. Cochrane Database Syst Rev. 2018 Nov 8;11(11):CD012853. doi: 10.1002/14651858.CD012853.pub2. PMID: 30407616; PMCID: PMC6517156

 

[7] Naftali T, Bar-Lev Schleider L, Almog S, Meiri D, Konikoff FM. Oral CBD-rich Cannabis Induces Clinical but Not Endoscopic Response in Patients with Crohn's Disease, a Randomised Controlled Trial. J Crohns Colitis. 2021 Nov 8;15(11):1799-1806. doi: 10.1093/ecco-jcc/jjab069. PMID: 33858011

 

[8] Naftali T, Mechulam R, Marii A, Gabay G, Stein A, Bronshtain M, Laish I, Benjaminov F, Konikoff FM. Low-Dose Cannabidiol Is Safe but Not Effective in the Treatment for Crohn's Disease, a Randomized Controlled Trial. Dig Dis Sci. 2017 Jun;62(6):1615-1620. doi: 10.1007/s10620-017-4540-z. Epub 2017 Mar 27. PMID: 28349233

 

[9] Pagano E, Capasso R, Piscitelli F, Romano B, Parisi OA, Finizio S, Lauritano A, Marzo VD, Izzo AA, Borrelli F. An Orally Active Cannabis Extract with High Content in Cannabidiol attenuates Chemically-induced Intestinal Inflammation and Hypermotility in the Mouse. Front Pharmacol. 2016 Oct 4;7:341. doi: 10.3389/fphar.2016.00341. PMID: 27757083; PMCID: PMC5047908

 

[10] De Filippis D, Esposito G, Cirillo C, Cipriano M, De Winter BY, Scuderi C, Sarnelli G, Cuomo R, Steardo L, De Man JG, Iuvone T. Cannabidiol reduces intestinal inflammation through the control of neuroimmune axis. PLoS One. 2011;6(12):e28159. doi: 10.1371/journal.pone.0028159. Epub 2011 Dec 6. PMID: 22163000; PMCID: PMC3232190

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